|
|
||
| Technologie | ||
|
Die kapazitive dielektrischen RF-Erwärmung [i],[ii] (Radio Frequency Heating) koppelt die Energie eines elektrischen Wechselfeldes in das Material ein. Es eignen sich elektrisch gering bis nichtleitende Materialien wie die meisten Lebensmitteln vorliegt. |
||
|
Die Erwärmung erfolgt "von innen heraus" durch die Interaktion des Materials mit einem kontaktlos angelegten elektrischen Wechselfeld. Im RF-Bereich dominiert die Energieeinkopplung in ionische Materialanteile wie Salze und polaren Gruppen. Normalerweise ungeordnete ionische Ladungsträger richten sich in einem elektrischen Wechselfeld (z.B. mit 13,56 Mio Schwingungen pro Sekunde) jeweils neu aus und erzeugen eine interne "Reibung", so das sich das Material von innen heraus erwärmt. |
||
|
Für technische Zwecke sind 13,56, 27,12 und 40,68 Mhz (sog. ISM-Bänder) freigegeben und nutzbar. |
||
|
Mit dem kontaktlosen Wirkprinzip können technische Wärmeübertragungsprobleme, bedingt durch eine zu geringe Wärmeleitfähigkeit des Materials in vorteilhafter Art und Weise gelöst werden. Zudem wird kein Wärmeübertrager oder ein Wärmetransportmedium benötigt, Überhitzungen an Wärmeübertrageroberflächen und hygienisch immer problematische Anbackungen entfallen somit. Wichtig ist, das nur das Gut erwärmt wird, nicht aber die technische Peripherie. |
||
|
Im Vergleich zu den bekannten Mikrowellenerwärmungen arbeiten RF-Verfahren bei erheblich größere Wellenlängen und i.d.R. ausreichend hoher Leistungsdichte. Mikrowellensysteme (2,45GHz) koppeln elektromagnetische Energie ausschließlich durch Dipolpolarisation in den Wasseranteil ein. Bei einer Wellenlänge um 12,5 cm, d.h. für eine volle Periode, treten ca. alle 3cm Maxima und Minima auf, die bei einem ruhenden Gut als „stehendes“ Erwärmungsmuster bemerkbar sind. |
||
|
RF-Erwärmungen nutzen physikalisch ähnliche Wirkmechanismen, jedoch bei viel niedrigeren Frequenzen. Dadurch treten signifikante Unterschiede auf. |
||
|
||
|
Die Dipol-Einkopplung in Wasser spielt eine untergeordnete Rolle, sie erreicht erst ab ca. 900MHz eine mit der ionischen Einkopplung vergleichbare Größenordnung. Die ionische Energieeinkopplung fällt im Ghz-Bereich massiv ab. |
||
|
Im RF-Bereich wird in Wasser nahezu keine Energie eingekoppelt, sodass Feuchte- und Wärmeausgleichsprozesse im Material sehr wirksam erfolgen können. Meistens stellt die Feuchteabfuhr von der Oberfläche den limitieren Schritt dar. |
||
|
Insgesamt ergeben sich deutlich andere Charakteristika, die es erlauben, Erwärmungen gleichmäßig zu realisieren, ferner ist die Neigung zu Hot-Spots [iii],[iv] (lokale Überhitzungen) deutlich geringer. |
||
|
Das RF-Verfahren weist eine temperaturabhängige, nichtlineare Einkopplungsfunktion auf [v], die in der Ansteuerung zu berücksichtigen ist. In gut abgestimmte RF-Erwärmungen sind interne Temperaturdifferenzen im Material unterhalb weniger °C erzielbar. |
||
|
Zusammen mit der hohen Eindringtiefe bietet sich das RF-Verfahren in Trocknungen hervorragend für die Beschleunigung der durchsatzlimitierenden letzten, langsamen Trocknungsphase an. |
||
| Aufbau einer HF-Erwärmungsanlage mit 50 Ohm Technik | ||
|
Die Technologie für RF-Erwärmungen wurde historisch mit in der Frequenz freilaufenden Röhrengeneratoren realisiert. Da die EMV-Anforderungen in den letzten Jahrzehnten drastisch angestiegen sind, wurden sie durch eine besser beherrschbare Festfrequenztechnik abgelöst. Moderne Halbleitersysteme arbeiten mit dem 50Ohm Standard. |
||
|
Prinzipieller Aufbau eines HF-Erwärmungsystems: |
||
|
|
||
|
|
||
| Die schematische Darstellung zeigt den RF-Leistungsgenerator als Energiequelle. Er stellt eine quarzstabilisierte hochfrequente Wechselspannung bereit, die über eine Matchbox auf die Elektroden (auch als Applikatoren bezeichnet) eines Plattenkondensators geführt wird. Die Matchbox realisiert die für eine effiziente Einkopplung erforderliche Impdanzanpassung, so das die Leistungsstufe auch bei variabler Gutmenge und Feuchte (das variable Dielektrikum des Kondensators) an einem konstanten Arbeitspunkt bei 50Ohm Lastimpendanz betrieben werden kann. Die eigentliche Erwärmung des Produkts findet zwischen den beiden Elektroden. Die Elektroden selbst bleiben kalt. Ein Gutfördersystem transportiert das Produkt durch die geschirmt ausgeführten Erwärmungsanlage. Nicht dargestellt sind ergänzende Mess-, Steuer- und Regelungseinrichtungen für die Erzielung einer konstanten Produktqualität. | ||
|
Einsatz- und Effizienzaspekte des Verfahrens |
||
|
Die erforderliche Wärmeleistung lässt sich zwar über Masse und Wärmekapazität des Gutes und den Energieaufwand zur Wasserverdampfung recht einfach bestimmen. Die interessante Fragestellung lautet, welche RF-Leistung benötigt wird und mit welchen Stromverbrauch diese bereitgestellt werden kann. Da der abdeckbare Leistungsbereich bis zu einigen 10kW reichen kann, ist eine fallweise Prüfung erforderlich. Als erster Richtwert kann eine thermische Umsetzung von ca. 75% der eingesetzten HF-Leistung in Wärme gelten. Der elektrische Wirkungsgrad der RF-Erzeugung ist Fabrikatabhängig, derzeitige Systeme erreichen bis zu ca. 85%. Der tatsächliche Energiebedarf ist natürlich vom Grad der Wärmerückgewinnung des Prozesses abhängig. Aus Bäckereiapplikationen sind Energieeinsparungen von bis zu 30% gegenüber vergleichbaren konventionellen Lösungen bekannt. |
||
|
Für den genauso relevanten Durchsatzaspekt kommt die verzögerungsfreie Wärmeerzeugung zum Tragen. Publizierte Umrüstungen von Backstraßen geben bei gleichen baulichen Abmessungen Durchsatzsteigerungen von bis zu 40% an |
||
| Literatur: | ||
| [i] Awuah, G. B., Ramaswamy, H. S., Tang, J., Radio-Frequency Heating in Food Processing Principles and Applications, CRC Press (2015) | ||
| [ii] Marra, F., Zhang, L., Lyng, J. G., Radio frequency treatment of foods: Review of recent advances, Journal of Food Engineering 91 (2009): 497–508 | ||
| [iii] Semenov, V.E., Zharova, N. A., Thermal Runaway and Hot Sports Under Controlled Microwave Heating, Advances in Microwave and Radio Frequency Processing, Springer (2006): 482-490 | ||
| [iv] Vriezinga, C. A., Sanchez-Pedreno, S., Grasman, J., Thermal runaway in microwave heating: a mathematical analysis, Appl. Math. Modelling 26 (2002): 1029-1038 | ||
|
[v] Chan, C. T., Tang, J., Younce, F., 3-Dimensional Numerical Modeling of an Industrial Radio Frequency Heating System Using Finite Elemente, J. of Microwave Power and Electrom. Energy, Vol. 39, No. 2, (2004): 87-106 |
||